07 Februar 2006

Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende zu...

Heute habe ich die letzte Veranstaltung der Vorlesung "Vortrags- und Diskussionstechnik" von Prof. Rudolf Steiger besucht. Eine der wenigen Vorlesungen, die ich bis auf ein einziges Mal immer besucht habe. Wenn es mir nur um den Stoff gegangen wäre, hätte ich auch einfach seine zwei Bücher lesen können. Aber gerade die Geschichten, in denen er von der Thematik abgeschweift ist, haben es wert gemacht diese Vorlesung zu besuchen. Denn dann ging es meist um die interessanteren Themen Philosophie, Einstellung zum Leben, gesunder Menschenverstand ...
Solltet Ihr also auch einmal an der ETH studieren und Prof. Steiger noch nicht pensioniert sein - schaut, dass Ihr in eine seine Vorlesungen gehen könnt. Auch wenn man sie Euch nicht anrechnen kann oder Ihr keine Prüfung schreiben wollt, der pure Besuch seiner Veranstaltungen ist es wert.


Ein paar Zitate, die ich mitgeschrieben habe

Zum Jammern einiger Dozenten:
"Haben Sie mit dem Dozenten da vorne kein Erbarmen - dem geht es relativ schlecht, aber immer noch auf extrem hohem Niveau."

"Die Vorlesung stammt noch aus der Zeit vor Gutenberg - als die Professoren nur lesen und die Studenten nur zuhören konnten. Heute können wir auch miteinander reden."

"Es ist eine merkwürdige Vorstellung von einigen Professoren, stolz darauf zu sein, wenn der Notendurchschnitt ihrer Prüfungen unter 4,0 liegt. Das wäre vergleichbar mit Ärzten, die stolz sind auf eine Behandlungsquote sind, wo die Todesfolge über 50% beträgt. Irgendwie hab ich ein Problem mit den Vorstellungen mancher Vertreter meiner Berufsgruppe."
(Anm.: Das Schweizer Notensystem ist anders als das deutsche. Die beste Note ist eine 6,0 danach geht es in 0,25-Schritten abwärts. Mit einer 4,0 hat man gerade noch bestanden. Deswegen entspricht hier "unter 4,0" dem deutschen "4,0 und schlechter")

"Wenn die Hochschule nur der Vermittlung von Wissen dienen würde, könnte sie im Zeitalter der modernen Medien abgeschafft werden."

Zum Thema Ausdrucksweise:
"Man kann das wissenschaftlicher ausdrücken, aber es bleibt an und für sich das gleiche..."

und wenig später in Anlehnung an F. J. Strauß "Bedenken Sie nur die 10 Gebote bestehen aus 297 Wörtern, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus 345 und die Verordnung der europäischen Gemeinschaft zum Import von Karamellbonbons aus 26911. Das sagt doch schon alles über die Wichtigkeit dieser Erklärungen aus."

"Ihre Zeit ist begrenzt. Es ist wahrlich kein Zeichen von Größe, wenn sich ein Manager seinen Terminkalender von einer Sekretärin führen lässt. Wer seine Zeit aus den Händen gibt, gibt fast alles aus den Händen."

"Im Augenblick beginnt der Rest unseres Lebens. Sie können es nicht verlängern, sondern nur optimal nutzen. Also verschwenden Sie es nicht an die falsche Vorlesung, schon gar nicht wegen der Kreditpunkte."

"Ich weiß ja nicht, ob sie zu den Blick-Betrachtern - man kann ja nicht sagen Blick-Lesern - gehören..." (Anm.: Der Blick entspricht in etwa der Bild)

"Chancengleichheit bedeutet, dass alle irgendwann einmal die gleichen Chancen haben - aber nicht, dass alle das gleiche Ziel erreichen."

"Sagen Sie was Sie meinen und dann können die anderen immer noch anderer Meinung sein."